Essay

Thomas Glinik

Bedeutung

Grundlage und persönliche Interpretation

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Die virologischen und vor allem epidemiologischen Erkenntnisse und Prognosen zu SARS Cov-2 bestimmten die mediale, aber auch politische Agenda in den letzten Wochen und Monaten. Verständlich, aber sehr einseitig.

Diese Betrachtungsweisen bzw. Wissenschaften richteten den Fokus sehr stark auf die gesellschaftliche Tragweite dieser Erkrankung.

Von weitaus höherer Relevanz sind die persönlichen Auswirkung von Covid-19. Was löst diese Krankheit in uns aus und wie reagiert unser Immunsystem auf dessen Erreger?

Die Welt der Viren (in uns)…

Die mikrobiologischen Grundlehren zeigen auf, dass ein Mensch im Schnitt neben 10^13 körpereigenen Zellen, ebenso 10^14 Viren unterschiedlichster Art beherbergt. Diese Agens leben in einer, für unseren Körper sehr wichtigen, Symbiose mit uns. Unser Immunsystem hält die Verbreitung dieser permanent unter Kontrolle. Oder vielleicht treffender formuliert: „Sorgt für eine genau ausreichende Lebensgrundlage für deren Dasein.“

Doch was bringt uns das? Da es sich hierbei um weitgehend äußerst harmlose Viren für den jeweiligen Körper handelt (sonst würde unser Immunsystem diese aktiver bekämpfen), besetzen diese Viren die wichtigen Schnittstellen (Rezeptoren) in unserem Körper und schützen uns dadurch indirekt von einer Infektion mit eventuell wesentlich gefährlicheren Viren.

Der Mensch und die Welt der Viren leben in einem ganz besonderen Verhältnis zueinander. Seit vielen und über viele Jahre.

Die aktuell manifeste Ideologie mittels Supression Viren zu eliminieren, am besten gleich alle, ist nicht nur ein unmögliches, sondern darüber hinaus auch ein sehr fragwürdiges Unterfangen. Ein Anspruch dessen Ziel absolut kein Erfolg sein kann – wird.

Was ist das „Ziel“ bzw. der „Zweck“ von Viren?

Die Antwort darauf ist recht einfach: Die bloße Existenz! Jeder Organismus strebt und handelt für dessen Existenz. Einerseits braucht es dazu adäquate Lebensgrundlagen, aber auch das Ziel der Vermehrung und somit die Erhaltung der Art ist Bestandteil der „Basisprogrammierung“ sämtlicher Lebensformen.

Dieser Trieb ist Grundlage für Gefahr, Evolution und Genialität wie die Natur selbst. Einerseits nutzt der Agens alle Möglichkeiten, um seine Existenz zu sichern. Der Prozess selbst zielt aber nur selten (wenn dann als Kollateralschaden) darüber hinaus und löst Krankheiten aus. Denn dies hätte gleichermaßen die Elimierung der Lebensgrundlage des Virus zur Folge.

Eine beruhigende Tatsache – oder? Aber warum beobachten wir dann in jeder Virensaison signifikante Übersterblichkeiten?

Die sog. Excess Mortality in Zusammenhang von nachweislich höherer Virulenz ist eine bekannte Tatsache und wird in nahezu jeder Virensaison (in Europa zwischen KW 40 und KW 15) beobachtet.

Die genauere Analyse der Übersterblichkeit ergibt jedoch, dass diese nahezu ausschließlich in den Altersgruppen > 45 Jahre leicht und in der Altergruppe > 75 stark ausschlaggebend wird. Daraus lässt sich eine klare und äußerst signifikante Korrelation zum Alter feststellen.

Die Hauptursache liegt darin begründet, dass natürlich der allgemeine Gesundheitszustand mit zunehmendem Alter sinkt, aber auch die klinische Behandlung vieler allgemeiner Krankheitsbilder in diesen Altergruppen teilweise immunosuppressive Auswirkungen zur Folge hat, was die korrekte Regulation von Virusinfektionen stört.

Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Lebenserwartung und in Relation zur Gesamtsterblichkeit ist jedoch die gesamte Tragweite von Virusinfektionen von geringere Bedeutung.

So sterben in Österreich z.B. ca. 280 – 300 Personen täglich. In einer durchschnittlichen Virensaison kommen somit auf ca. 40.000 Todesfälle ungefähr 1000 – 3000 virale Sterbefälle.

Unter Berücksichtigung dieses Anteils und der mikrobiologischen Bedeutung von Viren stellt sich aus immunologischer Sicht tatsächlich die Frage: „Kann es sein, dass Viren uns Menschen eher schützen als uns Schaden?“

Die immunologische Bedeutung von Viren…

Sehr einfach und signifikant kann die Relevanz von viralen (aber auch bakteriellen) Erkrankungen bei Kindern und dessen Reaktion auf Infektionen beobachten werden. Sie werden sehr schnell krank, aber umso schneller wieder gesund. Was passiert hier? Kinder trainieren ihr Immunsystem bzw. ihr Immungedächtnis durch die Infektion. Daraus bildet sich, neben spezifischen Antikörpern, speziell im Bereich der sog. T-Zellen, eine wichtige Immunantwort aus. Die Kreuzimmunität.

Der Körper lernt in der Regel aus abgewehrten Infektionen die schnelle Abwehr von unbekannten Infektionen. Das macht den Mensch resistenter und schützt ihn. Immunologische Beobachtungen bezüglich der Virenlast und Reproduktionsraten von Viren in Zellen lassen einen klaren Schluss zu. Unser Körper „bekämpft“ Viren nicht mit aller Kraft, sondern stets im notwendigen Maß.

Ein wundervolles Prinzip, das in Wirtschaft und Gesellschaft im Großen leider sehr selten noch Platz findet.

Konkret im Fall von SARS Cov-2…

Zum Zeitpunkt der ersten Erkrankungsfälle war wissenschaftlich nicht belegt, dass die Bevölkerung auf diese Kreuz- bzw. Hintergrundimmunitätzurückgreifen kann.

Im Laufe der wissenschaftlichen Ausarbeitungen konnten jedoch solche Immunantworten sowohl im Labor wie auch klinisch nachgewiesen werden.

Des Weiteren zeigten neuste Beobachtungen (et. al. Onur Boyman) darüber hinaus sogar, dass einige Personen im Stande waren, ohne bestehende Hintergrundimmunität die SARS Cov-2 Infektion ausschließlich mittels Antikörpern in den Schleimhäuten abzuweisen.

Studien und Erkenntnisse dieser Art sind positive Signale für die gesellschaftliche Immunität bzw. Tragweite von SARS Cov-2.

Doch was ist mit den schweren Verläufen? Gibt es Langzeitfolgen?

Ja, diese gibt es leider. Grundsätzlich ist das Auftreten dieser zwar nichts Neuartiges oder Spezielles bei Covid-19, jedoch gilt es natürlich dieses Auftreten sowohl klinisch wie auch infektiologisch so effizient wie möglich zu vermeiden.

Hierfür sind zwei Dinge äußerst relevant:

  1. Virusload: Die Quantität der Viren bei Erstinfektion ist einer der ausschlaggebendsten Faktoren für das Auftreten von schweren Verläufen. Hygienestandarts und größere Abstände sind einziges „Gegenmittel“ dafür.
  2. Klinische Behandlung: Die rechtzeitige Behandlung von viralen Infektionen nimmt natürlich großen Einfluss auf den Verlauf und damit auch das Auftreten von Folgeerscheinungen.

Zu guter Letzt – wenn diese bereits erforscht sind – gibt es noch therapeutische Werkzeuge, um die Auswirkungen dieser Folgen zu minimieren und im Idealfall sogar zu eliminieren. Im speziellen Fall von Covid-19 lässt sich die Tragweite noch sehr schwer in Relation zu anderen viralen Infekten stellen. Indizien für die Existenz solcher Folgeerscheinungen gibt es jedoch schon einige. Ob diese in Qualität und Quantität die Erfahrungen aus Influenza-Infektionen übersteigen, lässt sich aktuell nicht festlegen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Das standpunkt.jetzt think tank Team.

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